Beginen

kurzgefasst:
Beginen waren selbstständige Frauen, die vorwiegend in Städten Gemeinschaften bildeten. Diese Frauen waren in ihrer Lebenseinstellung zutiefst christlich-religiös geprägt. Ihre religiöse Verwurzelung drängte sie zu einem diakonisch-caritativen Lebensstil. Mechthild schloss sich dieser Bewegung an. Sie lebte selbst in schlichten Verhältnissen. Sie arbeitete besonders in der Krankenpflege und unterstütze die Armen ihrer Gesellschaft.
Nach heutigem Sprachgebrauch würden wir die Begine Mechthild eine „Sozialarbeiterin“ nennen, die durch ihren Glauben motiviert war.“


Die Beginen waren keine Ordensfrauen, legten also keine lebenslang bindenden Gelübde ab, unterstanden keiner Äbtissin und konnten die geistliche Gemeinschaft auch wieder verlassen. Sie kamen, was für ihre Zeit unüblich war, aus verschiedenen "Ständen"; es gab also Adlige und Bürgerliche, unverheiratete Jungfrauen, Witwen und sogar verheiratete Frauen unter ihnen. Beim Eintritt in die Frauengemeinschaft verpflichteten sie sich freiwillig zu Enthaltsamkeit und Bedürfnislosigkeit. Ihren Unterhalt bestritten sie mit ihrem ererbten Vermögen und textilen Handarbeiten, wie Weben und Sticken - und konkurrierten damit mit den aufkommenden textilverarbeitenden Zünften.

Heute erlebt die Beginenbewegung eine Renaissance. Es gibt einen Dachverband der Beginen und in Magdburg ist der Bau eines Beginenhauses geplant! Christliche Krankenpflege und Sozialarbeit organisiert sich heute in Verbänden wie Caritas und Diakonie.

Was bewegt Frauen damals und was bewegt sie heute dazu, sich einer geistlichen Wohngemeinschaft anzuschließen? Wie unterschieden sich die Männergemeinschaften der Begarden von den weiblichen Gemeinschaften? Im Mechthildjahr haben Sie Gelegenheit, mehr darüber zu erfahren!

Hier finden Sie nur einige Hinweise zur Beginenbewegung zu Mechthilds Zeit.

Der folgende Text dient als Anregung  und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

1. Wer waren Die "Beginen"?
2. Warum waren Beginen umstritten?
3. Verwendete Literatur



1. Wer waren die Beginen?

Mechthild folgte mit ihrem freiwilligen „sozialen Abstieg“ von der Burg in die Elendsviertel Magdeburgs der sog. „Armutsbewegung“ des 12. und 13. Jahrhunderts: Wie Jesus Christus, dem König der Könige, der in einem elenden Stall „zur Welt“ kam, verzichteten die Anhänger dieser Neuerungsbewegung auf Macht und Reichtum, um ihr Leben mit den Armen und Hilfsbedürftigen zu teilen. Im Zuge der Armutsbewegung entstanden zunächst neue Orden, wie z.B. die Franziskaner (kirchlich anerkannt 1215) und die Dominikaner (gegr. 1214). Daneben entwickelten  sich aber auch Gemeinschaften mit neuen Lebensentwürfen nach dem Vorbild christlicher Urgemeinden, z.B. um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert die Frauengemeinschaften der Beginen.

Sie zogen in die aufblühenden mittelalterlichen Handelsstädte, um sich um die Verlierer der sozio-ökonomischen Umwälzungen des Spätmittelalters zu kümmern: Die Alten, Kranken, Behinderten und Sterbenden. Das schwerste Los aber traf die mittellosen, alleinstehenden Frauen, meist Mütter. Denn sie fielen aus den über Verwandtschaft und Männer definierten sozialen Versorgungsstrukturen heraus, hatten aber selbst Kinder und Verwandte zu versorgen. Und ganz so wie 800 Jahre später Mutter Theresa in Kalkutta, so sahen die Beginen des Mittelalters ihre Berufung darin, praktische Hilfe und seelischen Beistand in die Elendsviertel der Städte zu bringen.


2. Warum waren Die Beginen umstritten?

Mit ihrer selbstständigen Lebensweise passten die Beginen nicht in die statische mittelalterliche Vorstellung von der Schöpfungsordnung: Diese „ordo“ schien jedem Geschöpf, jedem Naturphänomen einen unverrückbaren, „gottgegebenen“ Platz zuzuweisen. Auch die mittelalterliche Gesellschaftsordnung, also die Einteilung der Gesellschaft in „Stände“,  wurde als Teil dieser Ordnung angesehen Wer sie störte, verstieß gegen die göttliche Ordnung. Als „ungebundene“ Frauen lebten die Beginen ohne den Schutz eines Mannes oder eines Ordens,  bewegten sich also außerhalb eines rechtlich klar definierten Rahmens. Die „geistlichen Wohngemeinschaften auf Zeit“ gestatteten ihnen eine zeitlich flexible, also aktive und kinderlose Lebensplanung. Sie verfügten eigenständig über ihr ererbtes oder selbst verdientes Geld. Und sie nahmen Frauen aller Stände auf: Adlige, Handwerksfrauen, Witwen und unverheiratete  Frauen. Damit unterliefen sie die mittelalterliche Ständeordnung, in der jeder Beruf seinen eigenen Platz in der Hierarchie der Stände inne hatte, mit vorgeschriebener Kleiderordnung und einem unumstößlichen Verhaltenskodex. Kurz: Sie waren auf provokante Art frei.

Dem Prinzip der Ordnung durch Abgrenzung setzten sie die solidarische Lebensweise der Menschheitsfamilie entgegen, in der –  ohne nach dem Status der Person zu fragen - einer für den anderen verantwortlich ist. Mit diesem alternativen Lebensentwurf waren sie ihrer Zeit weit voraus.

Dass die Lebensform der Beginen den Unmut der örtlichen Geistlichkeit erregt, lässt sich an einer urkundlich festgehaltenen Entscheidung der Diözesansynode von 1360/61 ablesen; nach der die Magdeburger Beginen ihre Beichtväter nicht länger selbst wählen durften, sondern dem Pfarrklerus unterstellt wurden. Damit wurde ihr Recht auf Selbstverwaltung und Selbstbestimmung in geistlichen  Fragen beschnitten und der Einfluss der Dominikaner zurückgedrängt. Es war der Versuch, die Beginen geistig von der Armutsbewegung abzunabeln.

Katharina Wieacker


3. Verwendete Literatur

UNGER, Helga:
Die Beginen – Eine Geschichte von Aufbruch und Unterdrückung der Frau, Herder-Verlag, Freiburg, 2005

LÖFFLER, Irene:
Beginen – Lebensform und Spiritualität, Arbeitshilfe der Frauenseelsorge Bayern, München 2000
E-Mail: agfsb@ordinariat-muenchen.de